¬ exhibition project 2013 -2014

participating artists: Angelika Wischermann, Charlotte Stuby, Jumpei Shimada, Jürgen Kleft

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Bezugspunkte: Virtuelle Realitäten, die Realität des Virtuellen. Die folgenden Gedanken gehen von klassischen, im Sinne von: nicht im Vorhinein für eine Existenz im Virtuellen konzipierten, Arbeiten als Subjekte der Überlegungen aus. Wichtigster Moment der Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk ist, und wird es wohl auch perspektivisch bleiben, die tatsächliche Konfrontation mit der Arbeit im physischen Raum. Der Diskurs, als Modus der Auseinandersetzung mit dem Gezeigten, lässt sich weit weniger eindeutig verorten. Künstlergespräche vor Ort, Besprechungen in Print- und Onlinejournalismus, zugänglich gemachte Recherchen und Archive der Ausstellungsmacher, all das bildet eine heterogene Landschaft an Bezugspunkten von Ausstellungen. In Angesicht einer globalen, übersättigten, Kunstwelt ergibt sich neben der oben genannten, direkten Begegnung mit dem Kunstwerk zwangsläufig eine Art Konfrontation zweiter Ordnung, die als Zugänge nicht in Konkurrenz zueinander zu verstehen sind. Publikationen, Blogs und die Onlinerepräsentanzen von Ausstellungshäusern werden angesichts des Rhythmus der Kunstwelt zu einem relevanten Modus der Auseinandersetzung mit Kunstwerken. Eine Begegnung, die sich oftmals ausschließlich im Digitalen vollzieht. Es ist zu vermuten, dass Webseiten wie Contemporary Art Daily tatsächlich zu virtuellen Orten im Kunstsystem und somit zum Ausgangspunkt von Diskursen werden können. Einem Ort mit einer Realität im Virtuellen, im Gegensatz zu einer virtuellen Realität, also der bloßen Repräsentanz des Realen. * Analog stellt sich die Frage nach einem zeitgenössischen Kunstdiskurs, der nicht mehr das physische Kunstwerk zum Inhalt hat, sondern sich in erster Linie auf eine digitale Variante desselben beruft. Steht diese Variante tatsächlich stellvertretend für sein physisches Pendant, oder führt es eine eigenständige, weitaus stärker relationär geprägte Existenz im Digitalen? Am Beispiel einer Website ließe sich, unter Rückgriff auf die zuvor formulierte Frage, beschreiben, wie sich Ausstellen als Praxisform vom üblichen Modus einer Ausstellung als planbarer Entität im Rahmen eines Ausstellungsortes abkoppeln kann. Die Struktur und die Zeitlichkeit des Internets wären in diesem Fall ausschlaggebend für die Kontextualisierung des virtuellen Ortes (der Website). Während der physische Ort immer ein quasi historischer, im Vorhinein bestimmter Ort ist, erscheint der virtuelle Ort im Augenblick seiner erstmaligen Verfügbarkeit quasi neutral. Seine Kontextualisierung ist ein perspektivischer, ein partizipativer Vorgang. Hyperlinks, tweets, und reblogs sind gleichermaßen Instrumente der aktiven Verortung und Modelle der passiven Einbettung durch Dritte. Ein Kontext kreiert sich dynamisch, in Echtzeit und nur beding kontrollierbar. Für Künstler_innen und Kurator_innen kann das Erschließen erweiternder oder eigenständiger virtueller Räume als konkrete Setzung und Erweiterung der Ausstellungspraxis ein zu berücksichtigender Faktor in der Vermittlung ihrer Arbeit sein. Die Verlagerung der Ausstellung in nicht-physische Räume birgt das Potential einer besonderen Kontextualisierung künstlerischer Positionen und Unabhängigkeit von den eher behäbigen Strukturen bzw. dem beschränkte Zugriff auf bestehende Institutionen. Ein Kunstwerk im digitalen Raum ist dem Kommentar, also der Kontextualisierung durch Dritte und der eigenen bewussten Erweiterung im Denken weitaus direkter ausgeliefert als das, durch seine Einzigartigkeit und die Platzierung am Kunstmarkt weitgehend isolierte, Original. Das diesem Text zugrundeliegende Projekt ist auch ein Versuch, von der digitalen Komposition zu einer konkreten physischen Entsprechung zu gelangen. Dem virtuellen Objekt einen analogen Körper in Form einer Publikation zu verleihen. Eine ergänzende Variante, kein Plädoyer für eine Alternative zur gegebenen Ausstellungspraxis. * Vgl. Alain Badiou/ S. Zizek, Philosophie und Aktualität Ein Streitgespräch. Wien 2012, S. 55.Jonas Maria Droste 2014